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BSI C5, ISO 42001, SecNumCloud, SEAL: KI-Zertifikate erklärt

Zertifikats-Logos sind das beliebteste Vertrauenssignal im Cloud-Vertrieb und das am leichtesten missbrauchte. Dieser Guide erklärt, was die wichtigsten Prüfungen tatsächlich abdecken und wie Sie einen echten Nachweis von einem Badge unterscheiden.

Die Basisschicht: ISO 27001 und SOC 2

ISO/IEC 27001 zertifiziert ein Informationssicherheits-Managementsystem, also Prozesse, keine Produkte. Sie ist der Mindeststandard; ein Anbieter ohne 27001 ist im B2B-Geschäft kaum vermittelbar. SOC 2 (Type II) ist das US-Pendant als Prüfbericht über einen Zeitraum. Beide sagen nichts Spezifisches über KI oder Datensouveränität. Echtheit prüfen: Zertifizierer und Zertifikatsnummer müssen genannt sein; viele Zertifizierer führen öffentliche Datenbanken (so lässt sich etwa Aleph Alphas ISO 27001 direkt beim Zertifizierer DQS verifizieren).

Die Cloud-Schicht: BSI C5 und SecNumCloud

BSI C5 ist der deutsche Kriterienkatalog für Cloud-Sicherheit: ein Testat nach Wirtschaftsprüfer-Standard (ISAE 3000), kein Zertifikat im ISO-Sinn. Typ 1 prüft die Angemessenheit zum Stichtag, Typ 2 die Wirksamkeit über einen Zeitraum. Typ 2 ist die stärkere Aussage. Seit 7. April 2026 gilt die neue Fassung C5:2026, sie ersetzt C5:2020 und ist ab 1. Juni 2027 für alle C5-Prüfungen Pflicht; bestehende C5:2020-Testate bleiben gültig. Fragen Sie also auch, nach welcher Fassung geprüft wurde. Für deutsche Behörden und regulierte Branchen faktisch Pflicht. Wichtig: Der Geltungsbereich zählt. Ein C5-Testat für „Compute und Storage“ deckt nicht automatisch das KI-Produkt desselben Anbieters ab. SecNumCloud (Frankreich, ANSSI) geht weiter: Es verlangt neben technischer Sicherheit auch Immunität gegen Nicht-EU-Recht, also europäische Eigentümerkontrolle. Es ist die härteste Souveränitätsprüfung Europas; entsprechend wenige Anbieter halten sie.

Die neue Schicht: ISO 42001 und SEAL

ISO/IEC 42001 zertifiziert seit 2023 KI-Managementsysteme, das KI-Pendant zur 27001. Sie wird im AI-Act-Kontext an Bedeutung gewinnen, ist aber unter EU-Inference-Anbietern noch selten. SEAL (Sovereignty Effectiveness Assurance Level, Stufen 0–4) ist die Souveränitätsskala aus dem Cloud Sovereignty Framework der EU-Kommission (Version 1.2.1, Oktober 2025): Sie bewertet je Souveränitätsziel, wie unabhängig ein Angebot von Nicht-EU-Kontrolle ist, von SEAL-0 (keine Souveränität) bis SEAL-4 (volle digitale Souveränität). Besonderheit: Es gibt kein öffentliches SEAL-Register. Einstufungen existieren nur innerhalb konkreter Vergabeverfahren (in der Sovereign-Cloud-Ausschreibung der EU-Kommission, Zuschlag April 2026, erreichten STACKIT, Scaleway und eine Bietergemeinschaft unter Führung von Post Telecom mit OVHcloud und Clever Cloud SEAL-3, die Gruppe um Proximus und S3NS SEAL-2). Wer mit einem SEAL-Level wirbt, sollte das Vergabeverfahren benennen können.

Woran Sie Badge-Kosmetik erkennen

In unserer Datenbank führen wir Zertifikate grundsätzlich mit Quelle und Status: „belegt“ nur, wenn das Zertifikat, der Prüfer oder ein offizielles Compliance-Portal die Angabe trägt.